News · Google verwandelt die New Yorker U-Bahn in einen Veo-Einreichungstrichter

Nov, 144 Min. Lesezeit
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Google verwandelt die New Yorker U-Bahn in einen Veo-Einreichungstrichter

Ein Blick hinter „Imagine If…“, Googles einmonatige Transit-Kampagne, die öffentliche Prompts über fünf Künstler aus den Stadtbezirken mit Veo und Nano Banana umsetzt

Was die Kampagne von den Menschen konkret verlangt

Das am 14. November angekündigte Projekt „Imagine If…“ ist eine gemeinsame Initiative von Google und OUTFRONT, die vier Wochen lang alle fünf New Yorker Stadtbezirke umfasst. Der Ablauf ist bewusst einfach gehalten: Ein Pendler entdeckt die Kampagne auf den digitalen Bildschirmen von OUTFRONT im Nahverkehr, scannt einen QR-Code, um eine Idee einzureichen, und erhält sofort eine teilbare Visualisierung seiner persönlichen Version der Stadt.

Die von Google als Beispiele angebotenen Prompts sind konkret und verspielt – Wolkenkratzer in Manhattan als vertikale Farmen, Brownstones in Brooklyn, die „im neonfarbenen Zauberlicht schimmern“. Diese Vorgabe zeigt, welche Art von Eingabe gewünscht ist: kurze, visuelle, ortsbezogene Ideen, die sich sauber auf das übertragen lassen, was ein Text-zu-Video- und Bildmodell umsetzen kann.

Zwei Google-Produkte werden ausdrücklich genannt: Veo für Video und Nano Banana für die Bildgenerierung. Beide werden am Ende des Beitrags außerdem als in der Gemini-App verfügbar beworben – für alle, die nicht in New York sind. Damit ist die Kampagne ebenso ein Trichter zum Konsumentenprodukt wie ein lokales Kunstevent.

Künstler als Filter zwischen Öffentlichkeit und Modell

Die aufschlussreichste gestalterische Entscheidung ist, dass die Öffentlichkeit Veo nicht direkt nutzt. Google hat fünf lokale Künstler engagiert – Ariana Cimino (Staten Island), Jeff Wave (Queens), Lauren Camara (Bronx), Molly Goldfarb (Manhattan) und Subway Doodle (Brooklyn) –, die als „visuelle Architekten“ der Kampagne beschrieben werden. Sie wählen schriftliche Einreichungen aus ihrem jeweiligen Stadtbezirk aus und setzen diese dann mit Veo in fertige Videokunstwerke um.

Diese Struktur schaltet menschliche Kuration und Autorenschaft zwischen die rohen öffentlichen Prompts und die stadtweit gezeigten Ergebnisse. Die sofortige Visualisierung, die ein Pendler über den QR-Code erhält, ist etwas anderes als die ausgefeilten, von Künstlern erstellten Werke, die auf MTA-Bildschirmen und schließlich am Times Square erscheinen. Es handelt sich um ein zweistufiges System: sofortige Maschinenausgabe für den Einzelnen, kuratierte Künstlerausgabe für die öffentliche Galerie.

Die Künstlerliste setzt auf etablierte, unverwechselbare Stile – Camaras Scherenschnitt-Porträts, Goldfarbs Arbeiten mit Acryl und Marker, Subway Doodles Emmy-preisgekrönte blaue Monster. Google leiht sich damit deren Glaubwürdigkeit und gestalterische Kontrolle, statt generatives Video als ungefiltertes Werkzeug zu präsentieren.

Der physische Verteilungsplan

Die Kampagne läuft auf Tausenden digitalen Bildschirmen in MTA-U-Bahn-Stationen und soll, wie es heißt, „New Yorks Nahverkehrsnetz in eine bewegte Galerie kollektiver Vorstellungskraft“ verwandeln. Die vierwöchige Laufzeit gipfelt am 14. Dezember am Times Square, wo die überzeugendsten Künstlerwerke auf den OUTFRONT-Bildschirmen am Nordende des Platzes gezeigt werden.

Die Rolle von OUTFRONT ist entscheidend: Das Out-of-Home-Werbenetzwerk stellt sowohl die Eingabefläche (die Bildschirme mit QR-Codes) als auch die Anzeigefläche (Bahnhofsbildschirme und Times Square) bereit. Google liefert die Modelle und die Partnerschaften mit den Künstlern. Das Ergebnis ist ein geschlossener Kreislauf, in dem dieselbe Bildschirminfrastruktur Prompts sammelt und Ergebnisse zeigt.

Was die Inszenierung von Veo als Straßeninfrastruktur bedeutet

Die konkrete Botschaft von „Imagine If…“ ist, dass Google generatives Video nicht als Labor-Fähigkeit zum Vorführen behandelt, sondern als etwas, das mit menschlichen Vermittlern in den physischen öffentlichen Raum eingebettet wird. Statt Menschen zu einem Chatbot zu schicken, platziert Google Veo hinter einem QR-Code in der U-Bahn und hinter fünf namentlich genannten Künstlern, die die endgültige Ausgabe verantworten.

Für Teams, die mit generativen Modellen arbeiten, ist das bemerkenswerte Muster die Trennung zwischen sofortiger Self-Service-Ausgabe und kuratierter, von Menschen verantworteter Ausgabe. Google erhält virale Beteiligung durch den QR-Ablauf und schützt zugleich über die Künstler-Ebene die Qualität und Zuordnung dessen, was tatsächlich öffentlich gezeigt wird. Das Gemini-App-Angebot am Ende bestätigt den doppelten Zweck der Kampagne: ein kulturelles Ereignis für New York und ein Vertriebskanal für Veo und Nano Banana.

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