News · OpenAI öffnet ChatGPT für App-Einreichungen und veröffentlicht eine chat-native UI-Bibliothek

Oct, 64 Min. Lesezeit
Frontend

OpenAI öffnet ChatGPT für App-Einreichungen und veröffentlicht eine chat-native UI-Bibliothek

App-Einreichungen werden ab sofort zur Prüfung angenommen, und OpenAI stellt Entwicklern ein Open-Source-UI-Toolkit für Interfaces zur Verfügung, die direkt im Chat eingebettet sind.

Was OpenAI tatsächlich geöffnet hat

OpenAI nimmt nun App-Einreichungen zur Prüfung und Veröffentlichung in ChatGPT an – im Anschluss an die auf dem DevDay Anfang des Jahres vorgestellte App-Vorschau. Entwickler reichen ihre Apps über die OpenAI Developer Platform ein, wo sie den Freigabestatus verfolgen können. Die ersten genehmigten Apps werden im neuen Jahr schrittweise ausgerollt.

Die Einreichungen umfassen konkrete Angaben: Details zur MCP-Anbindung, Testrichtlinien, Metadaten für das Verzeichnis und Einstellungen zur Länderverfügbarkeit. Daran lässt sich die Struktur der Plattform ablesen: Apps verbinden sich über MCP, werden nach Qualitäts- und Sicherheitsstandards geprüft und landen in einem Verzeichnis, das Nutzer über das Tools-Menü oder unter chatgpt.com/apps erreichen.

Nach dem Verbinden lässt sich eine App per @-Erwähnung aufrufen oder über das Tools-Menü auswählen. OpenAI erklärt, man experimentiere zudem damit, passende Apps mitten im Gespräch anzuzeigen – anhand von Signalen wie Gesprächskontext, Nutzungsmustern und Nutzerpräferenzen. Das Auffinden von Apps geht also nicht mehr nur vom Nutzer aus.

Das Frontend ist ein chat-natives Interface, keine Seite

Das konkreteste Signal für Frontend-Teams ist das, was OpenAI zur App-Entwicklung bereitgestellt hat: Best-Practice-Leitfäden dazu, was eine gute ChatGPT-App ausmacht, Open-Source-Beispiel-Apps, eine Schritt-für-Schritt-Quickstart-Anleitung und – besonders bemerkenswert – eine Open-Source-UI-Bibliothek für chat-native Interfaces.

Eine eigene UI-Bibliothek ist deshalb wichtig, weil das Bauen innerhalb einer Konversation nicht mit dem Bauen einer Webanwendung vergleichbar ist. Es gibt kein vollständiges Viewport, das man gestalten kann, kein Navigations-Chrome, kein durchgängiges Layout. Das Interface muss sich als kohärente Einheit in einen Nachrichtenstream einfügen und lesbar bleiben, während die Aufmerksamkeit des Nutzers dem Dialog gilt – nicht Ihrer Komponente.

OpenAIs eigene Darstellung unterstreicht das. Die stärksten Apps seien 'eng fokussiert, intuitiv im Chat' und würden entweder einen realen Workflow abschließen, der im Gespräch beginnt, oder eine vollständig KI-native Erfahrung innerhalb von ChatGPT ermöglichen. Das ist eine gestalterische Einschränkung, keine Marketingaussage: Eine ausufernde App mit vielen Bildschirmen passt schlicht nicht auf diese Oberfläche.

Transaktionen verlassen weiterhin die Konversation

Die Monetarisierung ist in dieser Phase bewusst eingeschränkt. Entwickler können aus einer ChatGPT-App heraus auf ihre eigene Website oder native App verlinken, um Transaktionen für physische Güter abzuschließen. OpenAI erklärt, man prüfe im Laufe der Zeit weitere Optionen, darunter auch digitale Güter.

Das chat-native Interface übernimmt also Absicht und Kontext, aber der Checkout findet weiterhin auf Ihrem eigenen Frontend statt. Für Teams bedeutet das: Sowohl die ChatGPT-App als auch die bestehende Web- oder Mobile-Oberfläche müssen funktionieren – und die Übergabe zwischen beiden, über Deep Links ins App-Verzeichnis oder hinaus zu einer Transaktionsseite, wird selbst zu einer gestalterischen Aufgabe.

Der Verbindungsdialog gehört jetzt zur UX, für die Sie verantwortlich sind

OpenAI verankert Datenoffenlegung und -kontrolle direkt im Verbindungsprozess. Wenn ein Nutzer eine Verbindung zu einer neuen App herstellt, legt ChatGPT offen, welche Datentypen mit dem Drittanbieter geteilt werden könnten, und zeigt die Datenschutzerklärung der App zur Prüfung an. Nutzer können die Verbindung jederzeit trennen – die App verliert dann sofort den Zugriff.

Wir verpflichten Entwickler dazu, nur die Informationen anzufordern, die für die Funktion ihrer Apps tatsächlich notwendig sind.Montana Labs

Die konkrete Konsequenz für Frontend-Teams: Der Moment, in dem ein Nutzer entscheidet, Ihrer App zu vertrauen, findet auf dem Offenlegungsbildschirm von ChatGPT statt – nicht auf einer Seite, die Sie selbst gestaltet haben. Der Umfang der angeforderten Berechtigungen und die hinterlegte Datenschutzerklärung sind jetzt das erste Interface, das ein Nutzer sieht – noch bevor Ihre chat-native UI überhaupt geladen wird. Weniger anzufordern ist damit keine reine Compliance-Frage, sondern der entscheidende Schritt dafür, ob sich überhaupt jemand verbindet.

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